Erste Rektoren-Personalversammlung in der Geschichte Bremens
Personalrat: Die Nerven liegen blank
Es war eine historische Stunde, als Bremens Schulleiter vergangene Woche zusammenkamen zur ersten Personalversammlung der Rektoren überhaupt. Rund 170 Schulen hat Bremen, fast 200 Rektoren und Konrektoren kamen ins Landesinstitut für Schule am Weidedamm. Teilnehmer werten das als “enorme Resonanz”, die zeige, “wie groß der Druck ist”.
Dabei ging es vordergründig um die Arbeitsbelastung. Hinter dem Unmut steckt aber auch die zunehmende Spannung zwischen Schulleitungen und Behördenspitze. Seit Jahren werden die Schulen Schritt für Schritt selbstständiger. Die Rektoren wachsen in die Rolle von Managern und Geschäftsführern hinein. So übernehmen sie Aufgaben, die zuvor in der Behörde erledigt wurden. Das bedeutet etwa: deutlich mehr Bürokratie, das Verwalten eigener Gelder, zusätzliche Personalverwaltung durch die Umwandlung in Ganztagsschulen, verlängerte Schulzeiten und mehr schulinterne Fortbildungen. Zusätzliche Arbeitszeit werde dafür nicht eingeräumt, klagen sie.
Übergelaufen ist das Fass nun, weil die Behörde ihnen sogenannte “Personalentwicklungsgespräche” mit den Kollegien verordnet habe. “An sich ein vernünftiges Instrument”, sagt eine Rektorin. “Aber wann sollen wir das noch machen?”
Einstimmig, und das gilt unter den meinungsfreudigen Bremer Rektoren als Besonderheit, fordern sie nun unter anderem eine klare “Festlegung eines Berufsbildes Schulleitung” und “eine angemessene zeitliche Ausstattung”. Auch eine “Beteiligung der Schulleitungen an allen Prozessen, die deren Arbeit unmittelbar tangieren” wollen sie.
Dahinter steckt eine lauter werdende Kritik am Führungsstil der Bildungsbehörde. Er sei geprägt von Anordnungen, Verordnungen und Anweisungen, der Führungsstil sei autoritär statt kooperativ. Er stamme noch aus der Ära Lemke, verschärfe sich aber zusehends. Auf Dauer riskiere die Behörde damit auf breiter Front die nötige Kooperationsbereitschaft für die anstehenden Schulreformen. “Wir erwarten von den Verantwortlichen in der Behörde, dass die Anliegen der Schulleitungen endlich ernst genommen werden”, heißt es in dem einstimmigen Beschluss der Rektoren. Und ungewöhnlich scharf: “Ein weiteres Ignorieren” werde “über kurz oder lang zu einer Eskalation offener oder verdeckter Konflikte” führen.
“Bei Schulleitungen liegen die Nerven blank”, kommentiert Petra Lichtenberg, Vorsitzende im Personalrat Schulen, die Stimmung. “Die Rektoren sollen immer mehr verwalten, ihre Schulen immer eigenständiger führen - aber die Mittel dazu stellt man ihnen nicht zur Verfügung.” Die vielen zusätzlichen Aufgaben lähmten die Direktoren, “für die eigentlichen Kernaufgaben bleibt keine Zeit mehr”.
Ähnlich wirke sich auch die Debatte über den Umbau des Schulsystems aus. “Seit anderthalb Jahren verdrängt sie die inhaltliche Arbeit an der Qualitätsverbesserung”, sagt eine Teilnehmerin der Rektoren-Versammlung. “Da waren wir auf einem sehr guten Weg.” Sehr scharf haben die Rektoren zudem die Behörde für ihre Darstellung in der Stadtbürgerschaft kritisiert, das Geld für Schulbücher reiche vollkommen aus, die Schulen würden es nur nicht ausgeben (wir berichteten). Aus Sicht der 200 anwesenden Rektoren ist das eine “unsachgemäße Darstellung” die dort korrigiert werden müsse, wo sie vorgetragen wurde. Der Etat für Bücher (“Lehr- und Lernmittel”) von derzeit 48 Euro pro Jahr und Schüler müsse “deutlich aufgestockt” werden, Brennpunktschulen bräuchten zudem zusätzliches Geld, etwa für Museumsbesuche.
Quelle: Weserkurier 17.02.2009, Autor: Bernd Schneider, Bremen.
