Sehr geehrte Damen und Herren
Derzeit arbeite ich (30) mit akzeptablem Erfolg in der Industrie seit 5 Jahren auf einer gut dotierten Referentenstelle in einem deutschen Großkonzern nach dem abgeschlossenen Studium der Mathematik und eines nachgelagerten MBAs. Und wie es ja so manchem gehen mag, man fragt sich irgendwann ob es das so alles ist, was man im Leben machen will (ich bin durchaus grundsätzlicher Kapitalist, FDP Wähler, und sicherlich kein 'Aussteigertyp', aber auch als solcher kann man sich fragen, ob Vermögensmaximierung der einzige Lebenszweck ist und es nicht auch die Alternative gibt, am Volk, Mitmenschen, und dann halt auch eben unseren kleineren Mitbürgern zu dienen). Unter anderem haben ich das Glück gehabt, im meinem Mathestudium einmal 2 Monate ein Praktikum an einer Grundschule und einem Gymnasium als Freiwilligen-Lehrer (nicht in Deutschland) gemacht zu haben, und erinnere mich sehr gerne an die Zeit, habe aber dort auch zumindest ein paar Schattenseiten des Lehrerberufs kennengelernt, und würde nun behaupten dass dies zwar kein Langzeittest war, aber ich jetzt auch nicht mit einer kompletten Naivität und Nostalgischen Romantik an den Lehrerberuf denken würde.
Nun ist es so, dass ich zwar gerne Mathe unterrichtet habe, mittlerweile aber auch an Themen wie Organisationstheorie, Personalentwicklung, Projektmanagement etc. sowohl Freude als auch eine (nach 5 Berufsjahren noch nicht ganz ausgereifte aber in Grundzügen vorhandene) Grundbefähigung entwickelt habe und mich nach ein bisschen Überlegung von außen der Arbeitsplatz eines Schulleiters mit seinen verschiedenen Schnittstellenthemen, Verantwortlichkeiten etc. aber auch der Einbindung in die Organisation Schule durchaus fasziniert. Vermutlich kann ich auch sagen dass ich zwar mit einer klassischen Lehrerstelle (d.h. den 28h Unterricht plus zwei AGs plus 20h Klassenarbeiten nachgucken) auch nicht ganz glücklich wäre, d.h. die Kombi "Organisieren, Schreibtischarbeit, Projektarbeit" und "Unterricht" sollte schon in etwa ausgeglichen sein.
Die Frage an Sie ist nun, ist es überhaupt realistisch in Deutschland annehmen zu können, dass man zu gegebener Zeit (ggfs. muss ich nochmal 10 Jahre warten, um das Klischee Graue Haare zu erfüllen, das ist aber auch nicht weiter schlimm) aus einer unteren leitenden Position in einem Industrieunternehmen graduell dann in eine leitende Position in einer Schule (Gymnasium) hineinfindet. Die Erfahrung in der Industrie gearbeitet zu haben ist sicherlich auch nicht schlecht. Aber es ist natürlich auch so, dass Schulleiter halt kein Job ist wie jeder andere auch, sondern durchaus einige spezifische Anforderungen mit sich bringt. Und da ist die Überlegung, mal eine Lückenanalyse zu machen, um zu gucken, was halt dann doch noch alles an Fähigkeiten und Eigenschaften fehlt.
Des weiteren ist die Frage der 'geeigneten Motivation'. Die Überlegung ist geboren daraus dass ich bei einem ehemaligen Direktor, der (in einem anderen Schulsystem) mit einem MBA und Industrieerfahrung an eine Schule gangen ist, gesehen hab, was alles möglich ist, und dass so dieser neue Blick von außen echt in einer Schule gerade in der heutigen Zeit Wunder wirken kann. Damit will ich nicht sagen dass ich dass ich das auch 'so' könnte, aber mir vorstellen könnte, und davon überzeugt bin, dass es mir Spass machen könnte und wenn sich herausstellen würde, dass ich die Fähigkeiten hätte, es auch gut wäre, dieser Neigung zu folgen. A la, vielleicht ist es nichts, aber ein Versuch ist es wert.
Und dann ist da die organisatorische Frage, besonders im reglementierten Deutschland. Ausbildungsprogramme gibt es ja nun, wie ich hier im Forum gesehen habe, aber gibt es auch Möglichkeiten es mal sich konkret anzuschauen, bevor man alles aufgibt, oder ist der einzige Weg zum Ziel der 20 Jährige Dienst als Lehrer und je nach Region CDU oder SPD Parteisoldat und dann irgendwann das Glück, dass der Name oben auf der Liste einer Kommission der Bezirksregierung erscheint ?
Besten Gruß
Christian
