Schulleiter melden Bedenken an
(Quelle Wiebadener Kurier)
19.02.2009 - WIESBADEN
Von Patrick Körber
Kultusministerin Henzler will Schulen mehr Freiheiten geben/Hilfe bei Verwaltung gefordert
WIESBADEN. Wiesbadener Schulleiter äußern Bedenken gegen die neuen Freiheiten, die ihnen Kultusministerin Dorothea Henzler geben will. Bei zunehmender Budget- und Personalverantwortung seien auch zusätzliche Verwaltungskräfte nötig, sagen sie.
Selbstständig sollen die Schulen künftig nach den Vorstellungen der neuen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) werden. Dazu zählt, dass Schulen ihre Lehrer selbst einstellen können, Verantwortung auch über das Personal-Budget haben und Schulleiter disziplinarische Vorgesetzte der Lehrer werden. Doch diese neuen Freiheiten machen Wiesbadener Schulleiter zunächst erstmal Sorgen.
"Mehr Ressourcen"
"Die Möglichkeit, sich selbst zu verwalten mit all den neuen Aufgaben, ist ohne zusätzliche Ressourcen ausgeschlossen", sagt Gerhard Schlotter, Schulleiter des Gutenberg-Gymnasiums. "Unser Sekretariat ist bereits jetzt voll ausgelastet." Er meint, es bedürfe an der Schule an zusätzlichen Verwaltungsstellen. Ähnlich argumentiert auch Hans Jung, Leiter des Gymnasiums Am Mosbacher Berg. Als Schulleiter sei er gelernter Pädagoge, bräuchte aber für die neuen Aufgaben eher einen Verwaltungsdirektor. Und wenn er für die Personaleinstellung verantwortlich sein solle, "brauche ich eine Schulung zum Thema `Personalauswahl`", sagt Jung. Grundsätzlich habe er mit der selbstständigen Schule aber keine Probleme, sofern zusätzliche Kräfte dafür zur Verfügung stünden.
Karin Petersen, Leiterin der Theodor-Fliedner-Schule meint selbstkritisch: "Ich habe nicht Betriebswirtschaft studiert." Sie neige zwar nicht dazu, pessimistisch zu sein, aber sie habe Zweifel wie die zusätzliche Arbeit zu schaffen sei. "Und ich bin nicht langsam."
Hilfe zur Selbsthilfe
Doch hat Kultusministerin Dorothea Henzler genaue Vorstellungen davon, wie Schulleiter die Hilfe bekommen und sich selbst helfen können. "Die Schulleiter werden geschult und bekommen Management-Wissen vermittelt", sagt Henzler auf Kurier-Anfrage. Da künftig an jeder Schule Lehrerstellen auf 105 Prozent aufgestockt werden sollen, könnten die Schulen bei 20 Prozent der Stellen selbst entscheiden, wie sie besetzt werden. So könnten etwa Sozialpädagogen oder Verwaltungsangestellte beschäftigt werden, erklärt die Kultusministerin ihre Idee. Genauso sei es möglich, dass Schulen Assistenten anstellen, die etwa Kopierarbeiten für die Lehrer übernehmen, so dass die Pädagogen sich auf die Unterrichtsvorbereitung konzentrieren könnten.
Und Henzler unterstreicht: "Wir werden keiner Schule etwas aufzwingen. Es ist ein Angebot an die Schulen." Ein weiteres Problem in der selbstständigen Schule sieht Hans Jung vom Gymnasium Mosbacher Berg: "Wenn es in der Verantwortung der Schulen liegt, neue Lehrer einzustellen, dürfen die Schulen aber nicht den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, wenn es ihnen nicht gelingt alle Stellen zu besetzen." "Wir lassen die Schulen nicht im Regen stehen", verspricht Ministerin Henzler. Es werde kaum möglich sein, alle Stellen "passgenau" mit den entsprechenden Köpfen zu besetzen. Jedoch bekämen die Schulen trotzdem das Geld für die Stelle. "Davon kann man Überstunden von Lehrern zahlen, die für die nicht besetzte Stelle einspringen", regt Henzler an. Auch könne von diesem Budget eine Vertretung eingestellt werden. Generell soll es Schulen auch möglich sein, Geld anzusparen und einzusparen. Die Budgets verfielen nicht.
Langfristig plant die Kultusministerin, dass Schulen zu Körperschaften des öffentlichen Rechts werden. "Wir haben schon einige berufliche Schulen in Hessen, die darauf warten." Insolvenz sollen Schulen aber nicht anmelden können. "Ich vertraue den Schulleitern, dass sie verantwortlich mit dem Geld umgehen", sagt Henzler.
Gesetze ändern
Bereits im kommenden Schuljahr sollen die ersten Schulen, die zur selbstständigen Schule werden wollen, über ihre zusätzlichen Stellen verfügen können, sagt Henzler. Zunächst aber müsse überprüft werden, inwieweit die Gesetzgebung geändert werden muss, damit Schulen eine "Teilrechtsfähigkeit" erhalten.
